Daten-Diskrepanzen zwischen Piwik, Google Analytics und anderen Webanalyse-Plattformen

Veröffentlicht: September 13, 2016 Update: Dezember 19, 2018 Autor , Kategorie Analytics, Best Practices, How Tos & Use Cases

Dieser Beitrag befasst sich mit dem Thema Daten-Diskrepanzen von Analytics Software. Wenn Sie neben Piwik noch ein anderes Analytics-Tool verwenden, kann es irgendwann zu kleinen- oder auch großen Unterschieden bei den aufgezeichneten Daten kommen. Hier erhalten Sie Einblick, warum es zu Daten-Abweichungen bei den Messungen kommt und wo die Ursachen liegen. Außerdem zeigen wir Ihnen Lösungsvorschläge.

Ihr Piwik PRO Bericht zeigt 31.337 Besuche im letzten Monat an, während Ihr anderes Analytics-Tool nur 21.312 Besuche gezählt hat. Warum so ein großer Unterschied? Woher kommen diese Messunterschiede?

Zunächst ist es wichtig, zu wissen, dass eine Abweichung der Daten von bis zu 5% im Normbereich liegt und bei Analysten als akzeptabel angesehen wird. Alles, was darüber hinaus geht, bedarf einer näheren Untersuchung. Häufig gibt es dafür mehr als einen Grund.

Es gibt einen nahezu trivialen Grund und weitere, komplexere Ursachen. Wir zählen Ihnen hier mögliche Gründe auf.

1. Der Tracking-Code ist nicht auf jeder Seite platziert

Das mag auf Sie zwar allzu offensichtlich wirken, kann aber dennoch manchmal übersehen werden. Falls Sie neben Piwik noch eine weitere Analytics-Plattform nutzen, müssen Sie sicherstellen, dass Sie sowohl den Piwik Tracking-Code, als auch den Tracking-Code des anderen Tools jeweils auf der gleichen Seite platzieren. Sollten Sie das nicht tun, werden Ihre Berichte vollkommen unterschiedliche Ergebnisse aufzeichnen.

2. Falsche Metriken – Äpfel mit Birnen vergleichen

Oft vergleichen Benutzer die falschen Metriken miteinander. So kommt es z.B. vor, dass Klicks in AdWords mit Besuchen in Piwik-, oder Aktionen in Piwik mit Seitenaufrufen in anderen Plattformen verglichen werden. Sie müssen sichergehen, die richtigen Metriken miteinander zu vergleichen, um ein transparentes Reporting zu ermöglichen.

Sie beginnen am besten damit, die Daten der Seitenaufrufe zu vergleichen. Das ist eine universelle Metrik, die sich immer im Bereich des Grenzwertes von 5% bewegen sollte.
Ungeachtet dessen, wie komplexere Metriken, wie eindeutige Besucher/Geräte, echte Benutzer oder Sessions (Visits) von den Analytics-Tools gemessen werden.

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3. Do Not Track (DNT)

Dies ist eine Option, die User in Ihrem Browser aktivieren können, damit die Webseiten, die sie besuchen, ihre Aktivitäten nicht tracken. Nahezu jeder moderne Browser unterstützt diese Funktion.

Inwiefern beinflusst die DNT-Funktion Ihre Datenberichte?

Wenn ein User die DNT-Funktion aktiviert hat, wird Piwik dies berücksichtigen und keinerlei Daten des besagten Users sammeln. Die meisten anderen Analytics-Plattformen werden trotz aktiviertem DNT weiter Daten Ihrer User sammeln. Sie sollten daher überprüfen, ob die anderen, von Ihnen eingesetzten Analytics-Tools DNT respektieren.

Mögliche Problemlösung

Sie können die vorkonfigurierte Einstellung in Piwik verändern, damit auch Ihr Piwik-Service die DNT-Option ignoriert. Die folgenden Schritte zeigen Ihnen, wie Sie die Funktion deaktivieren:

  • Öffnen Sie die Piwik-Einstellungen mit einem Klick in der oberen, rechten Ecke Ihres Piwik-Dashboards und wählen Sie Einstellungen aus dem Drop-Down-Menü
  • Öffnen Sie in der linken Navigation den Bereich Privatsphäre.
  • Klicken Sie auf Do-Not-Track-Support deaktivieren (nicht empfohlen)

Unsere Empfehlung an Sie ist jedoch, die Privatsphäre Ihrer Besucher zu respektieren.

Do-Not-Track Optionen
Do-Not-Track Optionen

4. Kalkulation von eindeutigen Besuchern über einen benutzerdefinierten Zeitraum

Ein eindeutiger Besucher ist jemand, der Ihre Webseite schon einmal besucht hat. Um einen eindeutigen Besucher zu erfassen, muss Piwik das eindeutige Vorkommen der jeweiligen ID innerhalb eines festgelegten Zeitraums kalkulieren (z.B. an einem bestimmten Tag, in einer Woche, einem Monat oder während einer benutzerdefinierten Zeitspanne). Das ist ein sehr rechenintensiver Vorgang, so dass Piwik diese Kalkulationen nur in festgelegten Intervallen durchführt – Tag, Woche und Monat. Standardmäßig kalkuliert es nicht automatisch für ein Jahr oder einen benutzerdefinierten Zeitraum.

Wenn Sie eindeutige Besucher auf Basis eines einzigen Tages aggregieren oder eindeutige Besucher für einen benutzerdefinierten Zeitraums auswählen und diese aggregieren, beachten Sie bitte, dass dies zwei völlig unterschiedliche Metriken sind. Der zuletzt genannte Wert wird immer kleiner sein, weil ein einzelner Besucher die Seite während der gesamten Zeitspanne mehrfach besuchen kann (in diesem Fall ein Monat). Wenn Sie die täglichen eindeutigen Besucher zusammenfassen, zählen Sie den gleichen Besucher mehrfach.

Mögliche Problemlösung

Wenden Sie dies mit Vorsicht an: Berechnen Sie die eindeutigen Besucher über verschiedene Zeiträume hinweg. Für Webseiten mit großem Traffic-Aufkommen muss dies vorberechnet werden.

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5. Cookies oder Fingerabdrücken vertrauen?

Standardmäßig berechnet Piwik PRO den Fingerabdruck eines Geräts anhand der IP-Adresse, Browser- & OS-Version sowie installierten Browser-Plugins und nutzt diese Informationen für die Identifizierung eines Besuchs (Session). Im Fall von strikten Unternehmens-/Intranet-Umgebungen, in denen alle Rechner mit der selben Konfiguration laufen, kann dies dazu führen, dass verschiedene Sessions (Besuche) zu einer zusammengefasst werden und verschiedene User unter ein- und demselben Besuch erfasst werden.

Eines der Symptome dieses Problems ist eine immens hohe Anzahl an Aktionen pro Besuch.

Was ist nun die wirklich bessere Alternative?

In unserem Artikel
Device Fingerprint Tracking: Eine Alternative zu Cookies? finden Sie eine Antwort, die zu Ihren Anforderungen passt!

Mögliche Problemlösung

Aktivieren Sie »First-Party Cookies vertrauen« in der Piwik-Config, so dass Piwik nicht den Fingerabdruck, sondern das First-Party Cookie verwendet.

So wird’s gemacht:

  • Öffnen Sie die Datei config.ini.php – sie befindet sich in Ihrem piwik/config Ordner
  • Fügen Sie die folgenden Code-Zeilen der Datei hinzu und speichern Sie sie ab
[tracker]
trust_visitors_cookies = 0

6. Dauer des Besuchs

Wie kann das Ihre Datenberichte beeinflussen?

Piwik zeichnet einen neuen Besuch ab dem Zeitpunkt auf, an dem ein User auf Ihre Seite zugreift und der vergangene Zeitraum grö´ßer ist, als die voreingetsellte Zeit der Inaktivität.

Ein Bespiel: Angenommen Sie haben die Inaktivitätszeit in Piwik auf 30 Minuten festgelegt und ein User greift auf Ihre Webseite zu, surft auf ein paar Seiten, verlässt anschließend seinen Arbeitsplatz zur Mittagspause und kehrt nach 30 Minuten (oder mehr) an seinen Computer zurück und beginnt wieder damit, sich mit Ihrer Website zu beschäftigen. Er wird dann zwei mal als eindeutiger Besucher gezählt. Dementsprechend werden zwei Sessions (Besuche) für diesen Besucher aufgezeichnet. Die Standardeinstellung von 30 Minuten Inaktivitätszeit ist bei den meisten Analytics-Plattformen gängig. Sollte die eingestellte Inaktivitätszeit zwischen Ihren Analytics-Tools voneinander abweichen, wird das höchst wahrscheinlich ein Grund für unterschiedliche Aufzeichnungen sein.

Mögliche Problemlösung

Überprüfen Sie die Einstellung für die Inaktivitätszeit für beide Tools und sehen Sie nach, ob die Werte übereinstimmen. Falls dem nicht so ist, müssen Sie sie anpassen, damit sie einander entsprechen.

So wird’s gemacht:

  • Öffnen Sie die Datei config.ini.php. Sie befindet sich in Ihrem piwik/config Ordner
  • Fügen Sie die folgenden Code-Zeilen der Datei hinzu und speichern Sie diese ab
[tracker]
visit_standard_length = {visit length in seconds}

7. Blockieren von bestimmten Usern (IP-Adressen)

Das Blockieren von bestimmten Usergruppen basierend auf deren IP-Adressen ist ein weiterer Weg, tatsächliche User aufzuzeichnen. Dies ist hilfreich damit Sie z.B. nicht sich selbst und zahlreiche Mitarbeiter miterfassen, die die Ergebnisse verwässern. So könnten Sie sich beispielsweise dazu entscheiden, die IP-Adressen des Unternehmens und die Rechner, die Sie für das Testen von Applikationen verwenden und vielleicht noch den Privatrechner zu blockieren.

Wie kann das Ihre Datenberichte beeinflussen?

Wenn Sie einige Computer (IP-Adressen) in einer Analytics-Plattform geblockt haben, jedoch nicht auf der anderen, wird das dazu führen, dass Ihre Ergebnisse voneinander abweichen. Manchmal wird das zu vernachlässigenden Unterschieden führen. Es kann allerdings sein, dass die Anzahl der »unechten User« deutlich größer ist. In diesem Fall wird der dadurch entstandene Einfluss auf Ihre Daten ungleich höher ausfallen.
Angenommen, Sie haben 500 Mitarbeiter und jeder von Ihnen greift am Tag 10 Mal auf Ihre Website zu. Dies ergibt einen deutlichen Unterschied bei den eindeutigen Besuchern. Sorgen Sie dafür, dass die geblockten IP-Adressen bei allen Analytics-Tools, die Sie einsetzen übereinstimmen.

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Mögliche Problemlösung

Als erstes prüfen Sie, welche IP-Adressen vom jeweiligen Tool geblockt werden. Anschließend können Sie die Einstellungen anpassen.

So wird’s gemacht:

  • Öffnen Sie die Piwik-Einstellungen durch einen Klick auf Ihren Benutzernamen in der oberen rechten Ecke Ihres Piwik-Dashboards. Klicken Sie im Drop-Down-Menü auf Einstellungen
  • Öffnen Sie Webseiten – diesen Bereich finden Sie in der Navigation auf der linken Seite
  • Fügen Sie entweder eine IP-Adresse hinzu, die Sie blockieren möchten oder eine Adresse zu den infragekommenden Webseiten (ausgeschlossene IPs)
IP-Adressen blockieren
Ip-Adressen blockieren

8. JavaScript-Fehler

Messunterschiede können ebenso durch Fehler mit dem Tracking-Code auftreten. Es kann sich dabei um ein triviales Problem handeln (Der Tracking-Code wurde nicht auf der jeweiligen Seite platziert). Vielleicht sind die Einstellungen aber auch unterschiedlich und müssen deshalb aneinander angepasst werden.

Um dieses Problem zu beheben, können Sie Tools wie Firebug oder Webinspector verwenden. Mit ihnen können Sie prüfen, ob die Anfragen an den Tracker gesendet werden. Im Fall Piwik ist es eine Anfrage an »yourpiwikserver.com/piwik.php«.

Eine Weiter Ursache für das Problem können mehrere parallel installierte Piwik-Tracker auf der selben Seite sein, die Daten an das falsche Webseiten-Profil senden. Das führt dazu, dass entweder zu viele- oder zu wenige Daten erfasst werden.

Um mehr Hintergründe zum Thema Multiple Piwik-Tracker zu erfahren, empfehlen wir Ihnen einen Artikel im Piwik Developer-Guide.

9. Kampagnen-Daten von Advertising-Plattformen

Oftmals werden Sie Daten-Diskrepanzen zwischen dem eingehenden Traffic auf Ihrer Seite gegenüber dem gesendeten Traffic Ihres Advertisers (z.B. DoubleClick, AdWords, AppNexus u.v.m.) feststellen.

Zunächst sollte der Unterschied zwischen diesen beiden Metriken geklärt werden – von Ihrem Advertiser werden Sie die Anzahl an Klicks erhalten, in Piwik und anderen Analytics-Tools werden Sie allerdings die Anzahl an Besuchen (Sessions) sehen. Dies sind zwei unterschiedliche Metriken und selbst wenn ein User innerhalb einer kurzen Zeitspanne zwei mal auf eine Anzeige klickt, wird es dennoch als ein einziger Besuch erfasst. Das ist für das Performance-Marketing alarmierend, weil Sie nicht für zwei Klicks des selben Besuchers zur Kasse gebeten werden sollten.

Die Funktion Campaign Reporting in Piwik ermöglicht es Ihnen, die Effizienz Ihrer Marketing-Kampagnen zu tracken und bietet Ihnen ausführliche Berichte.

Piwik erkennt UTM-Tags und berichtet über die Daten unter Kampagnen. Nutzen Sie sie, um die Daten Ihrer Advertiser zu prüfen, damit Sie sehen, welche zu viele oder zu wenige Daten aufzeichnen und übertragen.Vielleicht zählt Ihr Werbenetzwerk auch Bot-Traffic? Dann zahlen Sie für nicht existente User. Dies gilt es zu vermeiden.

Um noch granularer Kampagnen-Daten zu erfassen, haben wir das Campaign Reporting erweitert.

Wenn sie jeden Ihrer Werbevermarkter und jede einzelne Kampagnen mit einer eindeutigen kennzeichnung versehen, ist es leichter, die Performance und die Diskrepanzen zwischen den aufgezeichneten Daten zu tracken.

Mit der Durchführung der oben genannten Lösungsvorschläge sollten Sie in der Lage sein, die Messunterschiede Ihrer Analytics-Tools wieder unter 5% zu drücken. Sollten Ihre Piwik-Berichte weiterhin ungenaue Daten anzeigen, können Sie sich gerne von Piwik PRO-Experten beraten lassen.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserem englischen Blog von Michael Sweeney.

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Autor:

Britta Behrens, Marketing Manager DACH

Sie liebt und lebt digitales Marketing. Tagtäglich beschäftigt sie sich mit Web Analytics, SEO, SEA, Social Media und Content-Marketing.

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Autor:

Michael Sweeney, Head of Marketing - Clearcode

Michael ist Head of Marketing bei Clearcode. Er ist passionierter Copywriter und Corporate Blogger.

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